WeinmeisterhausDas Weinmeisterhaus ist ein offenes Haus für Kinder, Jugendliche, Kunst & Kultur in Berlin-Mitte. Es sollte am 31.12.2009 geschlossen werden. Wir haben protestiert.

Protestbrief #4: Schließung des Weinmeisterhauses

Sehr geehrter Herr Fritsch,

mit diesem Anschreiben möchte ich mein Bedauern und vor allem auch mein Unverständnis bezüglich der geplanten Schließung des Weinmeisterhauses zum Ausdruck bringen.

Das die Stadt Berlin hochverschuldet ist und gespart werden muss, ist auch mir nicht neu. Die Frage, die sich stellt, ist lediglich an welcher Stelle sollte gespart werden.

Berlin hat sich in den letzten Jahren als Anzugspunkt für Besucher aus aller Welt behaupten können, und liegt meines Wissens was die Popularität betrifft noch vor anderen europäischen Hauptstädten wie London oder Paris. Die Beliebtheit Berlins als Reise- oder Ausflugsziel hat viele Gründe. Einer der Hauptgründe, wenn nicht sogar der Hauptgrund überhaupt für Touristen Berlin und nicht stattdessen Paris oder London zu besuchen, oder gar Berlin als Wohnsitz zu wählen, ist Berlins Kultur und Subkultur.

Es ist nicht der Adidas store und auch nicht der Lacoste store auf der Münzstraße, den man in quasi gleicher Aufmachung auch in vielen anderen Großstädten der Welt findet.

Es sind die Möglichkeiten Kultur zu schaffen, zu leben und zu erleben.

In welcher Stadt findet man so viele Galerien, Clubs und Festivals wie in Berlin?

Woher aber sollen die Kulturschaffenden von Morgen kommen, wenn ein Haus wie das Weinmeisterhaus geschlossen wird? Woher sollen sie kommen die Zeichner, die Maler, die Fotografen, die Schriftsteller, die Schauspieler, die Musiker, die Tänzer und die Sänger, wenn Berlins Möglichkeiten der Förderung des künstlerischen Nachwuchses verschwinden? Sollte sich diese Frage nicht bereits beantwortet haben, werde ich es Ihnen sagen: es wird diesen Nachwuchs in Zukunft nicht mehr in ausreichendem Maße geben und damit wird die Stadt Berlin an Anzugskraft verlieren.

Das Weinmeisterhaus ist im Gegensatz zu einem Jugendclub im herkömmlichen Sinne nicht nur ein Ort, an dem Kinder und Jugendliche jeglicher Couleur ihre Zeit totschlagen können, es ist ein Haus, in dem sie ihre Kreativität zum Ausdruck bringen können, gefördert und gefordert werden. Die Herkunft der Kinder spielt dabei keine Rolle. Die Kurse im Weinmeisterhaus sind kostenlos und somit kann sie jedes Kind besuchen.

Die Studiengebühren hindern in einigen Städten Deutschlands schon Kinder aus sozialschwachem Umfeld am Studieren, sollen diese Kinder jetzt auch keinen Zeichenkurs oder Gitarrenunterricht mehr besuchen dürfen?

Ich habe im Weinmeisterhaus lange Zeit Zeichenkurse besucht, konnte dort arbeiten, mich mit Anderen austauschen, an Kursfahrten teilnehmen und hatte die Chance mit anderen jungen Menschen zusammen Ausstellungen zu machen und hoffe, dass dies in Zukunft auch noch Anderen möglich sein wird.

Sollte das Weinmeisterhaus geschlossen werden, wird damit nicht nur den Kindern und Jugendlichen eine Beschäftigungsmöglichkeit genommen, es wird viele Künstler von Morgen nicht geben. Es wird viel Kunst von Morgen nicht geben.

Und seien wir ehrlich, ohne die Kunst und Kultur wird Berlin nicht mehr das sein, was es ist. Eine Stadt, in die die Menschen kommen um Kunst und Kultur zu erleben.

Hotels und Einkaufsmöglichkeiten gibt es an genug anderen Orten der Welt. Und dann ist woanders oft auch noch besseres Wetter.

Ist es das Ziel der Berliner Politik, das zu zerstören, was Berlin einzigartig macht? Wenn ja, dann ist die Berliner Politik auf dem richtigen Weg.

Mit freundlichen Grüßen

Meikel Neid

25. Juli 2009 Kommentare deaktiviert


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